Die Elektromobilität ist auf dem Vormarsch. Doch wirklich wechselwillig sind bisher in erster Linie die Hausbesitzer, denn bei Mietern tut sich der Elektroantrieb bei Autos bisher schwerer denn je.
Der Trend zeigt eindeutig nach oben: Laut einer Bestandsaufnahme der HUK-Coburg-Versicherung sind im vierten Quartal 2025 6,3 Prozent der privaten Autofahrer von einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor auf ein Elektromobil umgestiegen. Durch die E-Auto-Förderung wird diese Quote vermutlich weiter steigen. Also alles im Lot und die Elektromobilität auf dem Vormarsch? Nicht ganz. Denn das HUK-Barometer zeigt, dass Mieter deutlich seltener auf Batterie-Power statt auf Pferdestärken setzen. 81 Prozent aller privaten Stromer werden von Immobilienbesitzern gefahren, wobei die große Mehrheit Hauseigentümer ist. Bei den Stromer-Enthusiasten gibt es also eine ganz klare Trennung zwischen wohlhabend und weniger wohlhabend. Elektromobilität ist demnach eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Menschen mit Carport oder Garagenstellplatz besitzen zu 75 Prozent häufiger ein eigenes E-Auto als Personen ohne solchen Stellplatz.
Eine Wallbox ist also nach wie vor für viele Elektroautobesitzer essenziell. Statt der Reichweitenangst geht jetzt eine Ladefurcht um. Man kommt heim, stöpselt das Auto ein und kann am nächsten Tag wieder entspannt losfahren, ohne sich um freie Stromtankstellen kümmern zu müssen. Obwohl die Menschen in den großen Städten mit mehr als einer halben Million Einwohnern der Elektromobilität positiv gegenüberstehen (59 Prozent), kommt nur für 30 Prozent zukünftig ein Stromer überhaupt infrage. Klar, einfach ein Kabel aus dem Fenster hängen, ist bei Mietskasernen keine optimale Alternative. Ladelösungen für Laternenparker sind gefragt. Lediglich Düsseldorf erreicht mit einer Wechselquote von 5,5 Prozent den Bundesdurchschnitt. Oder anders gesagt: Obwohl es in Deutschland deutlich mehr Mieter als Immobilieneigentümer gibt, entfallen auf die Mieter nur 19 Prozent des Bestands privater E-Autos und 15 Prozent der Verbrenner-Elektro-Wechsel.
Das bereits erwähnte Einkommensgefälle ist in der Studie auch geografisch manifestiert. Im Landkreis Starnberg leben bekanntermaßen einige Menschen mit einem gut gefüllten Bankkonto. Laut einer Prognose der GfK-Marktforschung lag die Pro-Kopf-Kaufkraft 2024 bei knapp 40.000 Euro und damit mehr als ein Drittel über dem Bundesdurchschnitt. Das Gebiet südlich von München kommt im Jahr 2025 auf eine Umstiegsquote von 10,0 Prozent und liegt damit fast doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt mit 5,5 Prozent. Dahinter liegen Erlangen-Höchstadt (9,6 Prozent), Ebersberg (9,6 Prozent) und Pfaffenhofen an der Ilm (9,4 Prozent). Selbst der Landkreis mit der niedrigsten Quote, Neumarkt in der Oberpfalz, liegt mit 8,3 Prozent noch weit weg vom Durchschnittswert. Geografie-Kenner haben sicher schon bemerkt, dass in dieser Aufzählung nur bayerische Landkreise vertreten sind. Das ist kein Zufall: elf der 15 erwähnten Landkreise liegen in Bayern, bei den Top-Fünf weht ausschließlich die weiß-blaue Fahne vor dem Rathaus. Das passt ins Bild: Der Freistaat im Süden der Republik hält beim Länderfinanzausgleich nicht die Hand auf.
Wenn es um den Bestand an Elektroautos geht, muss München mit 3,3 Prozent Stuttgart den Vortritt lassen. Die schwäbische Landeshauptstadt, die ebenfalls nicht im Ruf steht, Deutschlands Armenhaus zu sein, übertrifft mit einer Quote von 4,8 Prozent den Bundesdurchschnitt um 1,3 Punkte. Welche Marken bevorzugen die deutschen Elektromobilisten? Auf die Frage: „Spielt es bei Ihren Überlegungen zur Anschaffung eines reinen Elektroautos eine Rolle, um welche Marke es sich handelt? Beziehungsweise würde die Marke in solch einem Fall eine Rolle spielen?“, antworteten 52 Prozent der Führerscheininhaber mit einem Netto-Einkommen von mehr als 5.000 Euro „Ja. Für mich kämen bzw. kommen nur ganz bestimmte Marken für reine Elektroautos in Frage.“ Wenn es um die Wunschliste geht, sind die Bundesbürger Patrioten: Mit VW, BMW, Audi und Mercedes sind die ersten vier Plätze fest in deutscher Hand. Erst dann folgt mit der VW-Tochter Škoda eine ausländische Marke – noch vor Tesla. BYD ist der einzige chinesische Hersteller, der es beim Einkaufszettel als Zehnter unter die Top 15 schafft.
An der Kasse beim Wechsel vom Verbrenner zum Stromer sieht es dann allerdings anders aus: Da belegt der weltgrößte Hersteller von Elektroautos in Deutschland nur den 26. Platz. Auch die Spitzengruppe wird durcheinandergewirbelt, sobald es ans Bezahlen geht. VW behält den Platz an der Sonne, aber Skoda schiebt sich auf den zweiten Rang. Erst dann folgen BMW und Hyundai, noch vor Mercedes und Opel. Tesla fällt als Siebter eine Position zurück. BYD erscheint in der Rangliste erst gar nicht.
Beim Wechsel selbst nehmen die Autofahrer den Verbrenner-Kosmos als Maßstab. Auf die Frage, was den Deutschen beim Umstieg auf ein Elektroauto entscheidend ist, geben 62 Prozent an, dass die Anschaffungskosten nicht höher sein dürfen als bei Autos mit Verbrennungsmotor. Knapp die Hälfte (47 Prozent) setzt den gleichen Maßstab beim Unterhalt an. Ähnliches gilt für die Ladeinfrastruktur, die bei Abdeckung und Geschwindigkeit eine ähnliche Qualität bieten soll wie das Tanken mit Benzin oder Diesel (43 Prozent). Eine identische Reichweite wie bei gängigen Autos mit Verbrennungsmotor ist hingegen mit 34 Prozent hingegen weniger wichtig. All dies zeigt, dass Produktvielfalt und Förderpolitik zwar unterstützend wirken, aber nicht primär kaufentscheidend sind.
+++—-+++—-+++—-+++
*NEU: WhatsApp-Channel von Mercedes-Fans.de
Verpasse keine Top-News aus dem Sternuniversum mehr und abonniere unseren kostenlosen WhatsApp-Channel!
Hier für den Mercedes-Fans WhatsApp-Channel anmelden//
https://whatsapp.com/channel/0029VafT5DR1NCrTs0nuVa0G
Leser interessieren sich auch für diese Themen
Mercedes-Chef warnt vor wirtschaftlichem Abstieg Deutschlands
Källenius: Die Deutschen müssen wieder mehr arbeiten
Die neue S-Klasse bleibt das Maß der Dinge
Mercedes-Vertriebschef: „Die S-Klasse gibt im Segment den Ton an"


Keine Kommentare
Schreibe einen Kommentar