1983 Mercedes-Benz 500 SEL 6.0 AMG 'Red Baron'

Einer wie keiner

1983 Mercedes-Benz 500 SEL 6.0 AMG 'Red Baron': Einer wie keiner
Erstellt am 24. April 2026

Diese einzigartige AMG S-Klasse, der bei RM Sotheby‘s im Februar 2026 zur Versteigerung angeboten wurde, ist seinerzeit für William „Wild Bill“ Witz aus Skokie, Illinois, gebaut worden. William Witz ist eine Persönlichkeit, die in der frühen amerikanischen Geschichte von AMG eine besondere Rolle spielte. Als bedeutender Anteilseigner des AMG-Vertriebs von Richard Buxbaum und enger Freund von AMG-Chef Hans Werner Aufrecht verstand Wild Bill die Wünsche und Serviceerwartungen der Kunden der Marke am besten, weil er selbst einer war.

Bestellt wurde der 500 SEL im März 1983 von William „Wild Bill“ Witz aus Skokie, Illinois. Witz war nicht nur Kunde, sondern Schlüsselfigur der amerikanischen AMG-Geschichte: enger Freund von AMG-Mitgründer Hans Werner Aufrecht und bedeutender Anteilseigner des von Richard Buxbaum geführten AMG-Vertriebs in den USA. Er verstand die Erwartungen der Kundschaft, weil er selbst zu ihr gehörte.

Seine Bestellung war alles andere als zurückhaltend. Der Wagen wurde in auffälligem Orientrot lackiert – daher der Spitzname „Red Baron“. Zur Ausstattung zählten ein komplettes AMG-Aerodynamikpaket, farblich abgestimmte 16-Zoll-Penta-Felgen, ein AMG-Bilstein-Sportfahrwerk und ein einfarbig lackiertes Trimmpaket. Den Innenraum gestaltete AMG-Partner Gemballa mit einer erweiterten Palomino-Lederausstattung, roten Paspeln, Kontrastnähten, hinteren Vorhängen und maßgefertigten Türverkleidungen. Ein Clarion-G80-Stack steuerte das AMG-Soundsystem, ein integriertes Autotelefon sorgte für standesgemäße Erreichbarkeit.

Auch technisch blieb es nicht beim Serienzustand: Der 5,0-Liter-V8 erhielt ein AMG-Tuning-Kit und eine Sportauspuffanlage. Am 2. Juni 1983 traf der Wagen in Chicago ein, am 6. September wurde er an Witz ausgeliefert.

1986 verkaufte Witz das Fahrzeug an AMG North America zurück. Neuer Eigentümer wurde der kanadische Industrielle J. Paul Fingold – ein hervorragender AMG-Kunde mit eigenen Vorstellungen. Unter seiner Regie erhielt der Wagen bei AMG Kanada in Ontario das in den USA homologierte Gen-II-AMG-Stylingpaket inklusive SEC-Frontspoiler, das er bis heute trägt.

Ende 1987 folgte bei AMG Chicago eine umfassende Motoraufrüstung. Als Basis diente ein US-Spezifikationsaggregat aus einem 560 SEL mit geringer Laufleistung. Der Motor wurde auf 6,0 Liter aufgebohrt, intern neu ausbalanciert, die Zylinderköpfe portiert und poliert. Bosch KE-Jetronic, EZL-Zündsteuergerät und ein überarbeitetes Getriebe aus einem 560 SL wurden angepasst. Eine neu gefertigte Sportabgasanlage und groß dimensionierte Aluminium-Ansaugrohre komplettierten den Umbau. Mehrere Hinweise sprechen dafür, dass der renommierte Motorenspezialist John Hadjuk von Motorkraft an den Arbeiten beteiligt war. Schriftliche Unterlagen existieren kaum – typisch für jene Zeit, in der „Sonderwünsche“ diskret realisiert wurden.

1992 endete die Fingold-Ära. Danach wechselte der Red Baron zweimal den Besitzer, unter anderem zu Gordon Weaver aus Nevada, der ihn als Wochenendfahrzeug nutzte. 2002 wurde die sportliche Limousine eingelagert – mit nur rund 39.750 Meilen auf dem Tacho. Bis 2023 blieb sie nahezu unberührt.

Erst eine Wiederbegegnung zwischen Buxbaum, Witz und der Familie Weaver brachte die Geschichte des Wagens wieder ans Licht. Gemeinsam erwarben sie das Auto zurück, um seine Historie zu rekonstruieren und ihn nach der Devise „Erhalten oder ersetzen“ umfassend zu restaurieren.

Von September 2024 bis Januar 2026 investierten ausgewählte Spezialisten aus dem Großraum Chicago mehr als 50.000 US-Dollar in die mechanische und optische Wiederherstellung. Der Wagen erhielt eine vollständige technische Überarbeitung, eine aufwendige Lackkorrektur mit Keramikversiegelung, eine neue Hirschmann-Antenne sowie eine moderne, dezent integrierte Bluetooth-Headunit.

Heute präsentiert sich der Red Baron als außergewöhnliches Zeitzeugnis der AMG-Geschichte – entstanden aus persönlicher Leidenschaft, technischer Radikalität und dem engen Austausch zwischen Kunden und Manufaktur. Ein Einzelstück mit belegter Provenienz. Und nun soll der einmalige Red Baron also einen neuen Besitzer finden. Wer schnappt sich diesen Benz , den es in dieser Form lein zweites Mal gibt?

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